„Die Wertschätzung, die sich Arzt und Patienten entgegenbrachten, beeindruckte mich“

Eine Hausarztfamulatur mitten in der Corona-Pandemie kann nervenaufreibend sein. Für Paulus Nöscher hat sie verdeutlicht, wie wichtig die Arzt-Patienten-Beziehung ist und was es für einen Vorteil es hat, wenn der Wohnort in einer Region liegt, in der andere Urlaub machen. Während der Zeit bei Dr. Peter Gahbauer in Grafenau sind Paulus Nöscher zwei Dinge ganz besonders im Gedächtnis geblieben:

 
PJ-Studentin Dayana Walter
Paulus Nöscher

Motivation für Bewerbung Famulatur auf dem Land

Ich habe mich für eine Famulatur auf dem Land entschieden, weil ich mir selbst vorstellen kann, langfristig auf dem Land zu arbeiten. Ich selbst komme aus dem ländlich geprägten Speckgürtel Münchens und mein Bild vom Hausarzt war durch den Arzt unserer Familie geprägt, für den es selbstverständlich war auch an einem Sonntagmorgen zur Leichenschau meiner Großmutter zu kommen.

Die Praxis von Dr. Gahbauer wurde mir von einem Kommilitonen empfohlen, da es eine Praxis mit langer Tradition ist, die Dr. Gahbauer nun seit kurzem selbst führt und modern ausgestattet hat.

Fachliche Eindrücke & Betreuung vor Ort

Zu Anfang konnte ich meine Erfahrungen auf dem Gebiet der Venenpunktion bei Blutabnahmen und Infusionen festigen. Nachdem ich mich mit den Abläufen der Praxis vertraut gemacht hatte, durfte ich mit den Patienten das Anamnesegespräch führen und notwendige körperliche Untersuchungen durchführen. Anschließend stellte ich die aktuellen Beschwerden der Patienten meist mit einem Therapievorschlag meinem Lehrarzt vor. Dr. Gahbauer erläuterte mir seine Therapiekonzept gerne und versorgte die Patienten mit den nötigen Formularen, wie Rezepte oder AU-Bescheinigungen.

War beim Patienten zur weiteren Abklärung eine Sonographie angezeigt, durfte ich hier auch zunächst alleine tätig werden. Hier kam mir mein Sonographiekurs aus dem letzten Semester sehr zugute. Gemeinsam besprachen wir die gespeicherten Bilder und Dr. Gahbauer zeigte mir eigene Tricks, wenn er selbst zur Kontrolle sonographierte.

Die COVID-19-Pandemie hatte auch Auswirkungen auf den Praxisalltag. So nutzen viele Patienten die Möglichkeit der Videosprechstunde und es wurde ein Infekt-Zimmer mit gesondertem Zugang eingerichtet, in dem wir potentiell infektiöse Patienten mit entsprechender Schutzausrüstung versorgten. Zum Schutz der „normalen“ Patienten fertigte eine der MFA Stoff-Mund-Nasen-Bedeckungen an. Ich konnte auch bei einigen Patienten die von der STIKO empfohlene Pneumokokken-Impfung durchführen. Dr. Gahbauer wurde auch zum Versorgungsarzt des Landkreises Freyung-Grafenau bestellt, weshalb die Praxis für Patienten mehrere Tage geschlossen werden musste, da der damit einhergehend organisatorische Aufwand mit einer adäquaten Patientenversorgung nicht mehr vereinbar war.

Unterkunft

Untergekommen bin ich bei der Familie eines Kommilitonen gut 20 Kilometer von Grafenau entfernt. Hier konnte ich die Vorzüge des Lebens im bayerischen Wald erleben. Trotz Ausgangsbeschränkungen waren ausgedehnte Wanderungen und Mountainbiketouren eine willkommene Abwechslung. Ein Vorteil, wenn der Wohnort in einer Region liegt, in der andere Urlaub machen.

Land und Leute

Ich habe die Patienten und Mitarbeiter als sehr freundliche und mir als nicht Einheimischen auch sehr zugewandte Menschen erlebt. Gerne wurde die Wertschätzung des Praxisteams mit Süßigkeiten zum Ausdruck gebracht, sehr zu meiner Freude. Zwei Dinge werden mir besonders in Erinnerung bleiben: Ein Patient, der mir bei der Wundkontrolle beiläufig erzählte, dass er immer um 01:00 Uhr aufstehe. Auf meine verdutzte Nachfrage erzählte er, dass er immer noch jeden Tag seinem Bäckerhandwerk nachgehe und das mit 88 Jahren. Das andere war ein Hausbesuch, der mir nicht nur wegen des Patienten - COPD wie er im Netter’s hätte abgebildet sein können – sondern auch weil wie selbstverständlich die Haustüre offenstand.

Fazit

Zusammenfassend habe ich einen guten Überblick über das Tätigkeitsfeld des Hausarztes und seine Bedeutung für die Vorsorge und die Versorgung chronisch Kranker bekommen. Besonders die Wertschätzung, die sich Arzt und Patienten gegenseitig entgegenbrachten, beeindruckte mich.

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