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10 Jahre Stiftung Bayerischer Hausärzteverband – 10 Jahre Einsatz für die hausärztliche Versorgung von Morgen

verfasst am 06. Dezember 2024
Das diesjährige Get-Together in der Adventszeit, der Nikolausempfang des Bayerischen Hausärzteverbandes, stand ganz im Zeichen der Stiftung und bildete den Höhepunkt und Abschluss des Jubiläumsjahres.

Das diesjährige Get-Together in der Adventszeit, der Nikolausempfang des Bayerischen Hausärzteverbandes, stand ganz im Zeichen der Stiftung und bildete den Höhepunkt und Abschluss des Jubiläumsjahres.

Seit 10 Jahren fördert die Stiftung Bayerischer Hausärzteverband Nachwuchs im hausärztlichen Bereich vom Studium bis zur Niederlassung. Das diesjährige Get-Together in der Adventszeit, der Nikolausempfang des Bayerischen Hausärzteverbandes am 4. Dezember 2024, stand ganz im Zeichen der Stiftung und bildete den Höhepunkt und Abschluss des Jubiläumsjahres.

Neben der Verleihung des Promotionspreises der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband an Dr. Louisa Hecht, Dr. Nadine Schubert und Dr. Nicola Küpper lag ein Schwerpunkt der Veranstaltung auf der Podiumsdiskussion mit dem Titel „Perspektive hausärztliche Tätigkeit – ebnen Stiftungsprojekte den Weg?“. Als Moderatorin konnte die Stiftung Bayerischer Hausärzteverband die erfahrene TV-Journalistin Anouschka Horn gewinnen, die als Gesicht des täglichen Nachrichtenmagazins BR-24 weit über Bayern hinaus bekannt ist. „Wir werden jetzt die Rosinen der Arbeit der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband herauspicken“, kündigte sie eingangs an.

Positive Bilanz nach zehn Jahren Stiftungsarbeit

Dr. Oliver Abbushi, Vorstand der Stiftung Bayerischer Hausärzteverbandes, zog wie Dierk Neugebauer, Kuratoriumsmitglied der Stiftung, eine positive Bilanz der Stiftungsarbeit. „Die Facharztabschlüsse im Fach Allgemeinmedizin steigen stetig an, wir haben eine Verdoppelung innerhalb der letzten 10 Jahre hingelegt, das ist sicherlich nicht nur der Erfolg der Stiftung, aber es ist ein Rädchen, und wir scheinen auf dem richtigen Weg zu sein“, erklärte Dr. Abbushi. „Wir haben den richtigen Weg eingeschlagen“ und „große Schritte nach vorne gemacht“, zeigte sich auch Neugebauer überzeugt. Allerdings sei noch viel zu tun. Man brauche eine noch breitere gesellschaftliche Anerkennung, auch dafür, was die Hausärztin/der Hausarzt für eine Region bedeute.

Wie wichtig die Hausärztin/der Hausarzt für die Patientenversorgung ist, bestätigte Dr. Louisa Hecht. Die Ärztin in Weiterbildung Allgemeinmedizin und Promotionspreisträgerin der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband wies darauf hin, dass 80 Prozent der Beratungsanlässe abschließend in der Hausarztpraxis gelöst werden – und dies aus einem breiten Spektrum: „In keinem anderen Fachgebiet gibt es so viele unterschiedliche Beratungsanlässe wie in der Allgemeinmedizin“, stellte sie fest. Eine weitere zentrale Bedeutung komme Hausärztinnen und Hausärzten beim Schutz vor Überversorgung zu.

Ernste Diagnose für „Patient Allgemeinmedizin“

Aber wie steht es aktuell um die hausärztliche Versorgung? „Wie schlecht geht es dem Patient Allgemeinmedizin auch mit Blick auf die demographische Entwicklung?“, wollte Anouschka Horn von Dr. Wolfgang Ritter, dem Landesvorsitzenden des Bayerischen Hausärzteverbandes wissen. Er stellte eine ernste Diagnose. Trotz einer steigenden Zahl der Facharztanerkennungen in der Allgemeinmedizin liege deren Anteil an den Facharztanerkennungen insgesamt im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. „Wir bräuchten aber 30 bis 40 Prozent der Absolventen in der Allgemeinmedizin, um die Primärversorgung aufrecht zu erhalten. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.“

Die Gründe liegen für ihn unter anderem an der unzureichenden Sichtbarkeit der Allgemeinmedizin in der universitären Ausbildung. Einen ersten wichtigen Schritt zu mehr Präsenz des Fachs an den Universitäten sieht er in der Etablierung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin an den Universitäten. „Das war früher nicht der Fall“, erinnert er sich, „die Allgemeinmedizin ist an den Universitäten gar nicht vorgekommen“ und von den Universitätsprofessoren als „Small Doctor“ belächelt worden. „Es war ein großer Erfolg primär des Bayerischen Hausärzteverbandes, dass wir es geschafft haben, jetzt bayernweit Lehrstühle für Allgemeinmedizin zu etablieren“.

Nächster Schritt: Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020

Nun müsse aber ein zweiter Schritt folgen, nämlich die Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020, mit dem die Allgemeinmedizin in der universitären Ausbildung gestärkt werden soll. „Man sieht es schon an der Jahreszahl: wir arbeiten seit einem Jahrzehnt daran, dass die Allgemeinmedizin für die Studierenden an den Universitäten durchgehend sichtbar wird.“ Denn: „Die Studierenden müssen sehen und lernen, was es bedeutet, draußen in der Praxis zu sein und welche erfüllende Aufgabe es ist, die Menschen langfristig zu versorgen.“ Denn dann, ist Dr. Ritter überzeugt, würden sich viel mehr angehende Ärztinnen und Ärzte für die Allgemeinmedizin entscheiden.

Wie es denn sein könne, dass ein zentrales Projekt wie der Masterplan Medizinstudium 2020 schon Schimmel ansetzt, bevor er überhaupt umgesetzt wird, wollte Moderatorin Anouschka Horn von Ministerialdirigentin Gabriele Hörl wissen, Leiterin der Abteilung 3 – Gesundheitsrecht, ambulante Versorgung, Krankenversicherung im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP). Die Ministerialdirigentin bezeichnete den Masterplan als Mammut-Projekt und wertete es schon als Erfolg, dass es ihn gebe und bereits ein fertiger und abgestimmter Entwurf für eine Ärztliche Approbationsordnung vorliege. „Was noch fehlt, ist die Finanzierung“, so Hörl. Und das sei nicht einfach.

Praktika in Hausarztpraxen wecken Begeisterung

Die Stiftung Bayerischer Hausärzteverband setzt darauf, den angehenden Ärztinnen und Ärzten zumindest im Rahmen von Praktika die Allgemeinmedizin näher zu bringen. „Wenn wir Studierende in unsere Praxen bekommen und die dann einige Wochen mitarbeiten, dann sind wahnsinnig viele begeistert von der Hausarztmedizin und entscheiden sich für diesen Beruf“, berichtet Dr. Abbushi von seinen Erfahrungen. Medizinstudentin Franziska Bednarski bestätigte dies.

Sie nutzt aktuell das PJ-Förderprojekt der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband, um ein Tertial ihres Praktischen Jahres (PJ) in einer Hausarztpraxis zu absolvieren. Sie werde auf jeden Fall die Patienten in Erinnerung behalten, die einmal krank in die Praxis kamen und später mit einem großen Dankeschön auf den Lippen oder – der Klassiker – mit eine Packung Schokolade zurückkehren. „Man hat eine viel engere Beziehung zu seinem Patienten, sieht den Verlauf, ganz anders als in der Klinik“, sagt sie.

Sich für die Allgemeinmedizin zu entscheiden ist eine Sache – sich als Hausärztin/Hausarzt selbstständig zu machen, eine andere. Mut dafür zu machen, ist das Ziel des Stiftungsprojekts Bavarian Circle: An einem verlängerten Wochenende können Niederlassungswillige jeweils vier Module des Werkzeugkastens Niederlassung absolvieren, die Wissen rund um die Niederlassung vermitteln. Referierende sind junge Hausärztinnen und Hausärzte, deren Niederlassung noch nicht lange zurückliegt und die von ihren noch frischen Erfahrungen berichten – „das ist es, was Zuversicht gibt und die Angst nimmt“, so Dr. Abbushi.

Dr. Katharina Wittmann, die sich erst kürzlich in München niedergelassen hat, gibt ihm recht. Sie war noch in der Überlegungsphase, ob sie den Schritt wagen soll, als den Bavarian Circle besuchte und später auch am Hospitationsprogramm Bavarian Circle Backstage teilnahm. Geholfen habe ihr „genau dieser Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die das erst vor Kurzem gemacht haben, die also ganz aktuell berichten können, die man auch ganz viel fragen kann zu Dingen, die im Studium und in der Ausbildung nicht vermittelt wurden“ wie Finanzierung, Versicherung, Praxisausstattung.

Unterstützung für tolle Projekte gefragt

Ministerialdirigentin Hörl zeigte sich beindruckt von dem, was die Stiftung leistet, „und nicht nur im Studium. Was ganz toll ist, ist dieser Bavarian Circle.“ Natürlich wollen die Stiftungsprojekte auch finanziert sein. Hörl schlug vor, jedem Bürgermeister oder Landrat, der mal kommt und sagt, er möchte gerne eine Hausarztpraxis vor Ort, den Stiftungs-Flyer unter die Nase zu halten. Neugenauer appellierte an die die Hausärztinnen und Hausärzte, „einen kleinen Dauerauftrag von 20, 30 Euro im Monat“ für die Stiftung Bayerischer Hausärzteverband einzurichten und damit die Stiftungsprojekte zu unterstützen. Und Dr. Abbushi zeigte noch eine weitere Möglichkeit auf, die Stiftung Bayerischer Hausärzteverband zu unterstützen und gleichzeitig sich oder – als Geschenk – anderen Gutes zu tun: Er stellte die Heldenküche – Hausarztedition vor, ein Kochbuch mit tollen Rezepten des fränkischen Sternekochs Alexander Hermann und Porträts von Hausärztinnen und Hausärzten, die für die Vielfalt des Hausarztberufs und seiner Heldinnen/Helden in den Praxen stehen. Das Buch soll im Mai 2025 fertig werden und kann bereits vorbestellt werden – ein Teil des Erlöses fließt der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband zu.

Weihnachtswünsche für die hausärztliche Versorgung

Mit Blick auf Weihnachten läutet Moderatorin Anouschka Horn die Schlussrunde mit einem „Wünsch dir was“ ein in Bezug auf die hausärztliche Versorgung.

Dr. Louisa Hecht sprach aus, was sich auch Franziska Bednarski und Dr. Katharina Wittmann für ihre Zukunft wünschen, nämlich „dass ich mich auch in 35 Jahren noch freue, den Beruf der Hausärztin gewählt zu haben und gern in die Praxis gehe.“ Dierk Neugebauer wünschte den jungen Hausärztinnen und Hausärzte „viel Freude an der Arbeit und zu sehen, was es einem zurückgibt, und natürlich auch eine gute Bezahlung“.

Ministerialdirigentin Gabriele Hörl hofft, auch in den nächsten Jahren einen Hausarzt an ihrer Seite zu haben. Stiftungsvorstand Dr. Oliver Abbushis Wunsch ist, dass „die Zahlen der Facharztprüfungen Allgemeinmedizin weiter nach oben gehen und wir als Stiftung Bayerischer Hausärzteverband einen Beitrag dazu leisten können“. Und der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes Dr. Wolfgang Ritter wünscht sich auch in Zukunft Rahmenbedingungen, die ermöglichen, „dass dieser tolle Beruf, Hausärztin/Hausarzt zu sein für die Patienten, auch in Zukunft weiter Bestand hat“.