10 Jahre Stiftung Bayerischer Hausärzteverband – 10 Jahre Einsatz für die hausärztliche Versorgung von Morgen
Das diesjährige Get-Together in der Adventszeit, der Nikolausempfang des Bayerischen Hausärzteverbandes, stand ganz im Zeichen der Stiftung und bildete den Höhepunkt und Abschluss des Jubiläumsjahres.
Seit 10 Jahren fördert die Stiftung Bayerischer Hausärzteverband Nachwuchs im hausärztlichen Bereich vom Studium bis zur Niederlassung. Das diesjährige Get-Together in der Adventszeit, der Nikolausempfang des Bayerischen Hausärzteverbandes am 4. Dezember 2024, stand ganz im Zeichen der Stiftung und bildete den Höhepunkt und Abschluss des Jubiläumsjahres.
Neben der Verleihung des Promotionspreises der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband an Dr. Louisa Hecht, Dr. Nadine Schubert und Dr. Nicola Küpper lag ein Schwerpunkt der Veranstaltung auf der Podiumsdiskussion mit dem Titel „Perspektive hausärztliche Tätigkeit – ebnen Stiftungsprojekte den Weg?“. Als Moderatorin konnte die Stiftung Bayerischer Hausärzteverband die erfahrene TV-Journalistin Anouschka Horn gewinnen, die als Gesicht des täglichen Nachrichtenmagazins BR-24 weit über Bayern hinaus bekannt ist. „Wir werden jetzt die Rosinen der Arbeit der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband herauspicken“, kündigte sie eingangs an.
Positive Bilanz nach zehn Jahren Stiftungsarbeit
Dr. Oliver Abbushi, Vorstand der Stiftung Bayerischer Hausärzteverbandes, zog wie Dierk Neugebauer, Kuratoriumsmitglied der Stiftung, eine positive Bilanz der Stiftungsarbeit. „Die Facharztabschlüsse im Fach Allgemeinmedizin steigen stetig an, wir haben eine Verdoppelung innerhalb der letzten 10 Jahre hingelegt, das ist sicherlich nicht nur der Erfolg der Stiftung, aber es ist ein Rädchen, und wir scheinen auf dem richtigen Weg zu sein“, erklärte Dr. Abbushi. „Wir haben den richtigen Weg eingeschlagen“ und „große Schritte nach vorne gemacht“, zeigte sich auch Neugebauer überzeugt. Allerdings sei noch viel zu tun. Man brauche eine noch breitere gesellschaftliche Anerkennung, auch dafür, was die Hausärztin/der Hausarzt für eine Region bedeute.
Wie wichtig die Hausärztin/der Hausarzt für die Patientenversorgung ist, bestätigte Dr. Louisa Hecht. Die Ärztin in Weiterbildung Allgemeinmedizin und Promotionspreisträgerin der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband wies darauf hin, dass 80 Prozent der Beratungsanlässe abschließend in der Hausarztpraxis gelöst werden – und dies aus einem breiten Spektrum: „In keinem anderen Fachgebiet gibt es so viele unterschiedliche Beratungsanlässe wie in der Allgemeinmedizin“, stellte sie fest. Eine weitere zentrale Bedeutung komme Hausärztinnen und Hausärzten beim Schutz vor Überversorgung zu.
Ernste Diagnose für „Patient Allgemeinmedizin“
Nächster Schritt: Umsetzung des Masterplans Medizinstudium 2020
Wie es denn sein könne, dass ein zentrales Projekt wie der Masterplan Medizinstudium 2020 schon Schimmel ansetzt, bevor er überhaupt umgesetzt wird, wollte Moderatorin Anouschka Horn von Ministerialdirigentin Gabriele Hörl wissen, Leiterin der Abteilung 3 – Gesundheitsrecht, ambulante Versorgung, Krankenversicherung im Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP). Die Ministerialdirigentin bezeichnete den Masterplan als Mammut-Projekt und wertete es schon als Erfolg, dass es ihn gebe und bereits ein fertiger und abgestimmter Entwurf für eine Ärztliche Approbationsordnung vorliege. „Was noch fehlt, ist die Finanzierung“, so Hörl. Und das sei nicht einfach.
Praktika in Hausarztpraxen wecken Begeisterung
Sie nutzt aktuell das PJ-Förderprojekt der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband, um ein Tertial ihres Praktischen Jahres (PJ) in einer Hausarztpraxis zu absolvieren. Sie werde auf jeden Fall die Patienten in Erinnerung behalten, die einmal krank in die Praxis kamen und später mit einem großen Dankeschön auf den Lippen oder – der Klassiker – mit eine Packung Schokolade zurückkehren. „Man hat eine viel engere Beziehung zu seinem Patienten, sieht den Verlauf, ganz anders als in der Klinik“, sagt sie.
Sich für die Allgemeinmedizin zu entscheiden ist eine Sache – sich als Hausärztin/Hausarzt selbstständig zu machen, eine andere. Mut dafür zu machen, ist das Ziel des Stiftungsprojekts Bavarian Circle: An einem verlängerten Wochenende können Niederlassungswillige jeweils vier Module des Werkzeugkastens Niederlassung absolvieren, die Wissen rund um die Niederlassung vermitteln. Referierende sind junge Hausärztinnen und Hausärzte, deren Niederlassung noch nicht lange zurückliegt und die von ihren noch frischen Erfahrungen berichten – „das ist es, was Zuversicht gibt und die Angst nimmt“, so Dr. Abbushi.
Dr. Katharina Wittmann, die sich erst kürzlich in München niedergelassen hat, gibt ihm recht. Sie war noch in der Überlegungsphase, ob sie den Schritt wagen soll, als den Bavarian Circle besuchte und später auch am Hospitationsprogramm Bavarian Circle Backstage teilnahm. Geholfen habe ihr „genau dieser Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, die das erst vor Kurzem gemacht haben, die also ganz aktuell berichten können, die man auch ganz viel fragen kann zu Dingen, die im Studium und in der Ausbildung nicht vermittelt wurden“ wie Finanzierung, Versicherung, Praxisausstattung.
Unterstützung für tolle Projekte gefragt
Weihnachtswünsche für die hausärztliche Versorgung
Mit Blick auf Weihnachten läutet Moderatorin Anouschka Horn die Schlussrunde mit einem „Wünsch dir was“ ein in Bezug auf die hausärztliche Versorgung.
Dr. Louisa Hecht sprach aus, was sich auch Franziska Bednarski und Dr. Katharina Wittmann für ihre Zukunft wünschen, nämlich „dass ich mich auch in 35 Jahren noch freue, den Beruf der Hausärztin gewählt zu haben und gern in die Praxis gehe.“ Dierk Neugebauer wünschte den jungen Hausärztinnen und Hausärzte „viel Freude an der Arbeit und zu sehen, was es einem zurückgibt, und natürlich auch eine gute Bezahlung“.
Ministerialdirigentin Gabriele Hörl hofft, auch in den nächsten Jahren einen Hausarzt an ihrer Seite zu haben. Stiftungsvorstand Dr. Oliver Abbushis Wunsch ist, dass „die Zahlen der Facharztprüfungen Allgemeinmedizin weiter nach oben gehen und wir als Stiftung Bayerischer Hausärzteverband einen Beitrag dazu leisten können“. Und der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes Dr. Wolfgang Ritter wünscht sich auch in Zukunft Rahmenbedingungen, die ermöglichen, „dass dieser tolle Beruf, Hausärztin/Hausarzt zu sein für die Patienten, auch in Zukunft weiter Bestand hat“.