München: Bezirks-Newsletter September 2024: Hausärztin/Hausarzt ein Traumberuf?
Wie sich der Bayerische Hausärzteverband dafür einsetzt, die Arbeitsbedingung in der hausärztlichen Versorgung zu entwickeln und auch zu erhalten, dass sie attraktiv bleibt, ist unter anderem Thema des aktuellen Bezirks-Newsletters.
Themen:
- Was tun wir damit es so bleibt
- Psychosoziale Unterstützung für Ärztinnen und Ärzte
- Infos zu Impfungen im Herbst
- Termine
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
jetzt im September beginnt das neue Schuljahr und auch für uns Hauärztinnen und Hausärzte gibt es immer eine Art Neustart nach den Sommerferien. Man orientiert sich was in den nächsten Monaten (gut 3 Monate bis Weihnachten) getan werden kann oder muss.
Es ist für mich immer ein schönes Gefühl, wieder einsteigen zu dürfen in meinen Beruf, den ich so sehr liebe. Damit also kein Zweifel aufkommt, ja unser Beruf ist ein Traumberuf.
Für mich sind es die erfülltesten Momente, wenn ich nach der vollendeten Sprechstunde mit einem Kaffee kurz innehalte. Was habe ich in diesen wenigen Stunden alles erlebt und erfahren. Da gab es traurige Momente neben spannenden, neben aufregenden, neben lustigen, neben makabren, neben lauten und leisen. Da gab es Wissenschaft neben Bauchgefühl, da gab es Mitfühlen und klare Ansage. Und es gab viel Dank und Zusammenhalt. Ich bin stolz auf mein Team, meine Mitarbeitenden, die alle Hand in Hand mit mir gearbeitet haben. Ein Verdacht auf einen Herzinfarkt, ein Rückenschmerz, der sich als Lungenentzündung entpuppte, ein Magendarminfekt, der sich als Schwangerschaft herausstellte, ein Bauschmerz, der sich im Ultraschall als Tumor zeigte. Die unklare Gewichtsabnahme, der positive iFobt. Ein Rettungswagen, die üblichen Ungeduldigen, der Paradiesvogel, die sorgenvollen Mütter, Väter, Töchter und Söhne. All das gehört zum wunderbaren Alltag in der Hausarztpraxis.
Und all das gibt es auch heute im Hier und Jetzt für alle, die diesen wunderbaren Beruf Hausärztin/Hausarzt ergreifen.
Nebenbei kümmere ich mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen im Bayrischen Hausärzteverband darum, die Arbeitsbedingung für uns alle so zu entwickeln und auch zu erhalten, dass wir auch in Zukunft mit Freude und gerne unseren Beruf ausüben können.
1. Was tun wir damit es so bleibt
Erhalt der Freiberuflichkeit:
Die Freiberuflichkeit sichert freie medizinische Entscheidungen auch für alle angestellten Ärztinnen und Ärzte. Frei von Zwängen und Vorgaben durch z.B. Arbeitgeber. Natürlich sollen Entscheidungen leitliniengerecht und wirtschaftlich sein. Das wirtschaftliche ist aber nicht das oberste Gebot. Viel mehr seid ihr eurem eigenen Gewissen und dem Patienten gegenüber verpflichtet.
Wir versuchen zu verhindern, dass Investorengeführte MVZs die Freiberuflichkeit einschränken oder gar zerstören. Es bedarf einer klaren Begrenzung dieser in erster Linie ihren Aktionären verpflichteten Industrie.
Abbau der Bürokratie:
Wie viel Prozent der Anfragen an Arztpraxen sind bürokratischer Natur - Anträge für Patientinnen und Patienten, Anfragen von Krankenkassen, eine Abrechnungssystematik, die uns verleitet, die Patientinnen und Patienten quartalsweise einzubestellen. Denken wir nur an stabile Diabetiker im DMP.
Wir entwickeln für euch HZV-Verträge mit kontaktunabhängigen Grundpauschalen! Diese werden ausbezahlt, auch wenn der Patient das ganze Quartal nicht erscheint (z.B. im neuen Vertrag mit der TKK).
Im Gegensatz zum EBM lösen in der HZV auch mittelbare Kontakte wie ein Telefonat mit der MFA die komplette Pauschale plus ggf. die Chroniker Pauschale aus. Das ist Bürokratieabbau at its best!
Dem demografischen Wandel begegnen:
Wir möchten, dass ihr euch auch in Zukunft Zeit für eure Patientinnen und Patienten nehmen könnt. Nicht für jeden, aber für jeden, der euch braucht. Mit unserem HÄPPI / Teampraxis Modell können Tätigkeiten, die der Arzt oder die Ärztin nicht zwingend persönlich erbringen muss, durch weitergebildete MFAs (VERAHs) oder z.B. durch Primary Care Manager (MFA mit Bachelor) für die Praxis erbracht werden. Erste Modellprojekte in Bayern starten gerade.
Und wir möchten so viele junge Kolleginnen und Kollegen wie möglich für unseren Beruf begeistern!
Das Einkommen anpassen:
Die Praxiskosten sind in den letzten 5 Jahren deutlich gestiegen. Personal, Energie, Dienstleistungen, Mieten u.v.m. Sowohl im EBM als auch bei der HZV kam es zu einem Anstieg der Leistungen aber nicht in dem Maße wie es notwendig wäre. Wie kämpfen für Euch, dass es hier auch im EBM weiter vorangeht!
In der HZV gibt es höhere Fallwerte bei weniger Einzelleistungen und Arztkontakten.
Und weniger Zeitaufwand spart zusätzlich Kosten!
2. Psychosoziale Unterstützung für Ärztinnen und Ärzte
Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch wir Ärztinnen und Ärzte sind nicht grenzenlos belastbar. Nicht selten kommt es zu depressiven Episoden, Burnout. „Schaffe ich das tägliche Arbeitspensum noch, bin ich meinen Aufgaben weiterhin gewachsen, kann ich meinen Patienten gerecht werden? Was, wenn ich länger ausfalle? Wer kümmert sich um die Praxis und um meine Mitarbeitenden? Steht der finanzielle Bankrott bevor? Was geschieht mit meiner Familie?“
All das sind Gedanken, Existenzängste, die das Problem und die Abwärtsspirale weiter nähren. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Suizid kommen.
Natürlich ist hier Hilfe möglich! Wendet Euch bitte an PSU-Akut e. V.! Ein Verein, gegründet von der Münchner Ärzteschaft aus einem Projekt des ÄKBV. Je früher geholfen werden kann, umso besser. Unterstützt auch Kolleginnen und Kollegen, die es allein nicht schaffen, sich Hilfe zu holen.
Kontakt:
https://psu-helpline.de/
Tel.: 0800 0 911 912
3. Infos zu Impfungen im Herbst (Erwachsene)
Covid 19-Impfung über Krankenkasse nur noch bei Indikation:
- Grundimmunisierung - 3 Kontakte mindestens 1 Impfung.
- Auffrischung - jährlich ab 60 Jahren jeden Herbst, wenn 12 Monate ohne Covid Infektion, außerdem alle > 6 Monate mit gesundheitlicher Gefährdung, alle Kontaktpersonen > 6 Jahren mit red. Immunantwort, Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Personal mit Patientenkontakt.
Influenza-Impfung ab 60 Jahre muss der Hochdosisimpfstoff verwendet werden, sonst ist Begründung zu dokumentieren.
Neu: RSV-Impfung Arexvy oder Abrysvo, 1xig ab 75 Jahre, bei schwerer Grunderkrankung oder Pflegeheimbewohnern ab 60 Jahre, Abrechnungsziffern: 89137 und 89138 (Indikationsimpfung)
Cave: Der Beschluss zur RSV-Impfung tritt vstl. erst spätestens Anfang Oktober in Kraft.
Impfung gegen Pneumokokken Prevenar20 (ehemals Apexxnar) 1xig ab 60 Jahren, Immungeschwächte, besonders gefährdete ab 18 Jahren. Bei vorher mit PCV13 oder PPSV23 geimpften ebenso 1xige Impfung, Mindestabstand 6 Jahre, bei ausgeprägter Immunschwäche 1 Jahr!
4. Termine
- 20.11.2024: Ist die Niederlassung was für mich? (BHÄV München mit Jade München) ab 17:00 im Hofbräukeller am Wiener Platz, Münchner Stüberl - 1.Stock.
Für Erfahrene, frisch Niedergelassene, Angestellte und Weiterbildungsassistentinn und -assistenten, KVB-Spezialistinnen und Spezialisten: Impulsvorträge und Diskussion.
Eintritt frei. Ab 18:30 Come Together in der Gaststube
Anmeldung bitte beiDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Unterstützen Sie uns, Ihren BHÄV in München!
Ihr
Oliver Abbushi Markus Frühwein
Kontakt:
Delegierte:
Christoph Grassl | Daniel Pohl | Andreas Durstewitz |
Wolfgang Ritter | Friedrich Kiener | Georg-Eike Böhme |
Tanja Poenitsch | Katharina Teubner |
Ersatzdelegierte:
Gudrun Endres-Sowa | Hans-Joachim Willerding | Jörg Schelling |
Günther Holthausen | Viktoriya Mintser | Christina Adamczyk |
Rudolf Schäfer | Peter Hauber | Ernst Engelmayr |
Leopold von Seckendorff | Christiane Drescher | Flora Wendel |
Hannes Blankenfeld |