Staatsekretärin MdB Sabine Dittmar (SPD): „Die Stärkung der Hausärzte verbessert die Versorgung und senkt auch Kosten“
Seit 2013 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages und seit dem 8. Dezember 2021 Parlamentarische Staatssekretärin für Gesundheit. Bis 2010 war sie als Hausärztin tätig – und bricht eine Lanze für die hausärztliche Versorgung und insbesondere die HZV.
Inwieweit unterstützen Sie die Weiterentwicklung und Stärkung der HZV und welche Anreize sollten Versicherte erhalten, die an der HZV teilnehmen?
Sabine Dittmar: Die Evaluation von HZV-Verträgen hat gezeigt, dass gerade chronisch kranke Patienten vielfältig von einer besonderen hausärztlichen Betreuung profitieren. Über den Weg der HZV kann erreicht werden, dass die Hausärztin, bzw. der Hausarzt, als erste Anlaufstelle für die Patientinnen und Patienten fungiert und als „Primärversorger“ medizinische Maßnahmen mit anderen Leistungserbringern abstimmt und mit ihnen aktiv kooperiert. Es wird Sie wenig verwundern, dass ich als Hausärztin eine große Verfechterin eines Primärarztsystems bin, in dem der Hausarzt, die Hausärztin, als Lotse fungiert. Die Stärkung der Hausärzte verbessert die Versorgung und senkt auch Kosten, weil überflüssige Facharzttermine entfallen.
Um die Versorgung in Stadt und Land nachhaltig sicherzustellen, hat der Hausärztinnen- und Hausärzteverband in Kooperation mit der Universität Heidelberg das Versorgungskonzept „Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell“, kurz HÄPPI, entwickelt. Das HÄPPI-Konzept bietet Strukturen und Rahmenbedingungen, die das Arbeiten in Zeiten, in denen der Bedarf nach hausärztlicher Versorgung stetig steigt, erleichtern und neue Formen der Zusammenarbeit im Team ermöglichen sollen. Es ist ein Angebot an hausärztliche Praxen, die noch stärker auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten im Team bauen wollen. Wie beurteilen Sie dieses Konzept und welche Fördermöglichkeiten sehen Sie?
Sabine Dittmar: Aus meiner Sicht ist es immer zu begrüßen, wenn die interprofessionelle Zusammenarbeit in Teams gestärkt wird, um die Steuerung und die Versorgung der Patienten zu verbessern. Ich bin gespannt auf die Erfahrungsberichte der Pilotpraxen und die Evaluationsergebnisse, die im März beim Hausärztinnen- und Hausärztetag erstmals vorgestellt werden.
Fehlende Patientensteuerung, Nachwuchsmangel bei Ärztinnen und Ärzten sowie MFAs, zunehmende Bürokratie, nicht funktionierende Digitalisierung – welches Themenfeld würden Sie nach der Wahl als erstes angehen? Und welchen Lösungsansatz haben Sie?
Sabine Dittmar: Es gibt sicherlich weiterhin einiges zu tun, um die medizinische und pflegerische Versorgung unserer Patientinnen und Patienten zu verbessern, wir sollten aber auch nicht immer alles schlecht reden. Die „ePA für alle“ ist zum Beispiel ein Meilenstein in der Digitalisierung unseres Gesundheitswesens. Die ePA wird den Informationsfluss und damit die Versorgung der Patienten grundlegend verbessern. Viele Regelungsvorschläge zur Weiterentwicklung der Versorgung, zur Steuerung der Patienten und zur Entbürokratisierung sind bereits erarbeitet, konnten aber durch die vorgezogenen Neuwahlen nicht mehr parlamentarisch beraten werden. Ich bin froh, dass es uns auf der Zielgerade noch gelungen ist, die Entbudgetierung der Hausärzte zu vereinbaren. Diese werden wir kommende Woche als eines der letzten Gesetzgebungsprozesse in dieser Legislaturperiode noch im Deutschen Bundestag verabschieden.