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Townhall-Meeting zur Zukunft der hausärztlichen Versorgung mit “Jamaika-Feeling”

verfasst am 14. Februar 2025
Beim digitalen „Town Hall Meeting“ des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes vor der Wahl positionierten sich Vertreterinnen und Vertreter von CSU, FDP und Grünen einvernehmlich zur Frage, was sie im Falle einer möglichen Regierungsverantwortung konkret zur Sicherstellung und Stärkung der hausärztlichen Versorgung geplant haben.

Fast eineinhalb Stunden standen am Mittwochnachmittag die Bundestagsabgeordneten Christine Aschenberg-Dugnus von der FDP, Dr. Janosch Dahmen vom Bündnis 90/Die Grünen und Dr. Stephan Pilsinger von der CDU/CSU-Fraktion Rede und Antwort. Wegen einer Flugverspätung hatte es MdB Matthias Mieves von der SPD nicht mehr rechtzeitig geschafft, an der Online-Debatte teilzunehmen, will aber seine Antworten schriftlich nachreichen. Angesichts der großen Übereinstimmung der Stellungnahmen zu den zentralen Themen stellte sich nicht nur Denis Nößler, Chefredakteur der Ärzte-Zeitung und Moderator der Veranstaltung, am Schluss die Frage: „Haben wir eine Jamaika-Koalition erlebt?“

Einigkeit in drei wichtigen Punkten

Grundsätzlich einig waren sich die drei Gesundheitspolitiker vor allem in drei Punkten: Die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) müsse gestärkt, die Patienten effektiver gesteuert und eine funktionierende und sinnvolle Digitalisierung in den Praxen besser gefördert werden.

„Wir müssen dazu kommen, dass die vielen Arztkontakte pro Patient weniger werden. Ein HZV-Modell ist der Schlüssel dazu“, so Dr. Stephan Pilsinger (CDU/CSU). Auch der Grünen-Politiker Dr. Janosch Dahmen erklärte, mit der Stärkung der HZV komme „auf die Hausärzte und die Pädiater eine ganz besondere Aufgabe zu“. Als Anreiz für die Patienten, sich in die HZV einzuschreiben, schlug er eine priorisierte Vergabe von Facharztterminen vor. Als Liberale, so Aschenberg-Dugnus, setze sie auf Freiwilligkeit und präferiere ein Bonussystem für HZV-Versicherte.

Als eines der ersten Vorhaben der kommenden Legislatur forderte Dr. Pilsinger zudem ein „Praxiszukunftsgesetz", in dem unter anderem bessere Praxisverwaltungssysteme (PVS) finanziell gefördert werden.

Einig waren sich die drei Politiker auch beim Thema ärztlichen Honorierung: Sobald die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) innerhalb der Ärzteschaft beschlossen und mit der Privaten Krankenversicherung abgestimmt sei, könne die Politik dies schnell umsetzen, versprachen Dr. Pilsinger, Aschenberg-Dugnus und Dr. Dahmen.

"Wir brauchen ein hausärztliches Stärkungsprogramm“

Thematisiert wurde in dem Townhall-Meeting auch das seit Jahren zunehmende Problem fehlender Hausärztinnen und Hausärzten. Dazu sagte Dr. Beier, Co-Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes: „Wir brauchen eine Kombination aus guten Rahmenbedingungen und Entbürokratisierung und müssen endlich in den Masterplan-Prozess mit einer Approbationsordnung kommen. Auch wenn diese Reform erst in zwölf Jahren voll greift, werden wir dann einen Push in die hausärztliche Versorgung bekommen. Wir brauchen ein hausärztliches Stärkungsprogramm.“

Die Debatte sei konstruktiv und sachlich gewesen, lobten die beiden Bundesvorsitzenden Prof. Buhlinger-Göpfarth und Dr. Beier in ihrem Fazit. Man habe gemerkt, so der Ehrenvorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes, dass diese Gesundheitspolitiker sich „auch aus einer persönlichen Haltung heraus“ engagieren. „Dafür sind wir sehr dankbar“, erklärte Dr. Beier.

Veranstaltung Teil der Kampagne „Wir brauchen Ihre Stimme“

Die Veranstaltung ist Teil der Kampagne „Wir brauchen Ihre Stimme“, die auf die gemeinsam mit dem Verband medizinischer Fachberufe ins Leben gerufene Petition zur „Rettung der hausärztlichen Versorgung“ aufmerksam machen soll. Eine Zeichnung ist noch bis zum 17. Februar 2025 möglich.