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MdB Johannes Wagner (Bündnis 90/Die Grünen): „Wir Grünen unterstützen die hausärztlich-zentrierte Versorgung sehr"

verfasst am 14. Februar 2025
Mit MdB Johannes Wagner (Bündnis 90/Die Grünen) stellt sich ein weiterer Gesundheitspolitiker drei Fragen des Bayerischen Hausärzteverbandes im Vorfeld der Bundestagswahl. Der angehende Kinderarzt, der Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages ist, bricht eine Lanze für die Hausarztzentrierte Versorgung und das Konzept HÄPPI (Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung interprofessionell).

Inwieweit unterstützen Sie die Weiterentwicklung und Stärkung der HZV und welche Anreize sollten Versicherte erhalten, die an der HZV teilnehmen?

Wagner: Wir Grünen unterstützen die hausärztlich-zentrierte Versorgung sehr. Sie zeigt schon jetzt große Erfolge und sorgt dafür, dass Patientinnen und Patienten gleichzeitig effizient und qualitativ hochwertig behandelt werden können.

Durch das vorzeitige Ausscheiden der FDP aus der Regierung konnten wir wichtige Punkte leider nicht mehr umsetzen. Immerhin konnten wir auf den letzten Metern der Legislatur noch eine demokratische Mehrheit für die Endbudgetierung der Hausärztinnen und Hausärzte erreichen. Auch wenn das allein noch nicht alle Probleme lösen wird, bin ich sicher, dass es für die Hausärztinnen und Hausärzte in diesem Land eine entschiedene Verbesserung darstellt. Besonders in Zeiten des zunehmenden Hausärztemangels und wachsender Herausforderungen für die medizinische Grundversorgung sorgen die beschlossenen Reformen dafür, dass Hausarztpraxen entlastet werden, mehr Kapazitäten für Patienten entstehen und der Beruf wieder attraktiver wird.
Deshalb war mir persönlich der Abschluss dieses Vorhabens auch ein großes Anliegen.

Die HZV bietet große Vorteile auch für die Patientinnen und Patienten. Eine bessere Information über die Vorteile der HZV, wie die engmaschige Betreuung chronisch Kranker und die Vermeidung schwerwiegender Komplikationen, könnte die Akzeptanz erhöhen und ein Anreiz sein, an der HZV teilzunehmen. Auch einen Bonus für Versicherte, wenn sie sich in die HZV einschreiben, wäre eine Möglichkeit.

Wie beurteilen Sie das Konzept "HÄPPI" und welche Fördermöglichkeiten sehen Sie?

Wagner: Hausärztinnen und Hausärzte sind das Rückgrat des Versorgungssystems und lösen schon jetzt die meisten medizinischen Anliegen von Patientinnen und Patienten - deswegen gilt es, die HZV und Primärversorgungsmodelle zu stärken. Interdisziplinäres Arbeiten über Berufsgruppen hinweg und in Netzwerken ist essenziell.

Als Grüne begrüßen wir das HÄPPI-Konzept als zukunftsweisenden Ansatz für die hausärztliche Versorgung, der durch interprofessionelle Zusammenarbeit und digitale Lösungen den steigenden Bedarf adressiert. Ein Beispiel: Ein älterer, chronisch kranker Patient in einer ländlichen Region kann dank Videokonsultation und digitaler Triage schnell und unkompliziert seinen Hausarzt kontaktieren, ohne lange Anfahrtswege. Bei Bedarf erfolgt eine direkte Überweisung zur Fachärztin.

Zur Förderung von HÄPPI sind finanzielle Anreize, eine gute Aus- und Weiterbildung sowie angepasste Rahmenbedingungen wichtig. Dafür werde ich mich auch in der kommenden Legislatur einsetzen.

Fehlende Patientensteuerung, Nachwuchsmangel bei Ärztinnen und Ärzten sowie MFAs, zunehmende Bürokratie, nicht funktionierende Digitalisierung – welches Themenfeld würden Sie nach der Wahl als erstes angehen? Und welchen Lösungsansatz haben Sie?

Wagner: Sie sprechen wichtige Themen an, die auch alle ineinander übergreifen. Viele Lösungsvorschläge haben wir - gezwungenermaßen - jetzt auch für die neue Wahlperiode noch in der Schublade. Denn leider konnten wir in der Koalition nicht alles umsetzen, was wichtig gewesen wäre.

Viele Regionen haben bereits jetzt zu wenige Hausärztinnen und Hausärzte. Mittlerweile sind über ein Drittel der Hausärztinnen und Hausärzte über 60 Jahre alt. Der demografische Wandel und die fehlende Nachfolgerschaft in vielen Praxen erhöht den Druck auf unser Versorgungssystem. Patientinnen und Patienten sehen sich oft mit überfüllten Praxen und langen Wartezeiten konfrontiert.

Mit der Entbudgetierung und einer Vorhalte- und einer Versorgungspauschale gehen wir jetzt wichtige Schritte. Mit dieser Einigung bekommen Hausärztinnen und Hausärzte zukünftig alle Leistungen in voller Höhe honoriert – ohne Budgetdeckel. Durch die Einführung der Vorhaltepauschale werden Praxen nach speziellen Kriterien in Stufen honoriert, wenn sie zum Beispiel Pflegeheimbesuche anbieten und bedarfsgerechte Öffnungszeiten haben. Die Reform soll dafür sorgen, dass Patientinnen und Patienten schneller und effizienter einen Termin bei ihrem Hausarzt bekommen.

Denn ganz besonders liegt mir die Versorgung im ländlichen Raum am Herzen. Die Menschen müssen sich auch künftig darauf verlassen können, überall gut versorgt zu werden.