MdB Ates Gürpinar (Die Linke): „ Die Linke hat das HÄPPI-Konzept sehr positiv bewertet”
In dieser Ausgabe der Serie “Drei Fragen zur Gesundheitspolitik” stellten wir sie MdB Ates Gürpinar (Die Linke). Der Medienwissenschaftler ist Sprecher für Krankenhaus- und Pflegepolitik seiner Partei im Landesverband Bayern.
Inwieweit unterstützen Sie die Weiterentwicklung und Stärkung der HZV und welche Anreize sollten Versicherte erhalten, die an der HZV teilnehmen?
Ates Gürpinar: Die Linke ist eine starke Befürworterin eines Primärarztsystems. Wir setzen uns seit Langem für eine bessere Steuerung des Facharztzugangs nach dem Behandlungsbedarf und eine bessere Steuerung der Behandlungswege ein. Die Allgemeinmedizin sehen wir hier als zentralen Akteur für die Versorgung und das Behandlungsmanagement. Die hausarztzentrierte Versorgung hat gute Impulse für die Weiterentwicklung der primärärztlichen Versorgung gebracht. Wir können uns vorstellen, viele Aspekte der HZV auch in die kollektivvertragliche Regelversorgung zu übertragen.
Wie beurteilen Sie das HÄPPI-Konzept und welche Fördermöglichkeiten sehen Sie?
Ates Gürpinar: Die Linke hat das HÄPPI-Konzept sehr positiv bewertet. Wir haben seit etlichen Jahren das Modell eines regionalen Gesundheitszentrums entwickelt, das sich in vielen Punkten dem HÄPPI-Zentrum ähnelt. Solche Primärversorgungszentren könnten beispielsweise gefördert werden, indem sie in der Bedarfsplanung gesondert betrachtet und die Niederlassungsbeschränkungen angepasst werden.
Fehlende Patientensteuerung, Nachwuchsmangel bei Ärztinnen und Ärzten sowie MFAs, zunehmende Bürokratie, nicht funktionierende Digitalisierung – welches Themenfeld würden Sie nach der Wahl als erstes angehen? Und welchen Lösungsansatz haben Sie?
Ates Gürpinar: Im heutigen Gesundheitswesen kann kaum von einem Gesundheitssystem gesprochen werden. Die Patientinnen und Patienten werden selbst bei komplexem Bedarf mit dem Behandlungsmanagement allein gelassen. Wir wollen den Zugang zu den einzelnen Behandlungspfaden von Facharztzugang bis Notaufnahme klarer regeln, damit alle die Behandlung bekommen, die sie tatsächlich benötigen und keine Ressourcen verschwendet werden.
Zentral ist für mich auch, auf den absehbaren Versorgungsmangel in der Allgemeinmedizin zu reagieren. Dafür braucht es eine klare Perspektive für junge Ärztinnen/Ärzte, bei denen die Einzelpraxis mit langer Bindung, hohen Anfangsinvestitionen und wenig kollegialem Austausch an Beliebtheit eingebüßt hat. Die Primärversorgungszentren, aber auch Kooperationsmodelle mit Kliniken und anderen Ärztinnen/Ärzten sowie neue Berufsbilder sind hier wichtige Bausteine.