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Praxis-Neugründung: „Bavarian Circle ist nicht ganz unschuldig“

verfasst am 28. Februar 2025
Der der erste Bavarian Circle 2025 mit vier Modulen aus dem Werkzeugkasten Niederlassung steht vor der Tür. Im Interview erklärt Dr. Sonja Hömig, warum es für alle, die an eine eigene Praxis denken, eine gute Idee ist, die Veranstaltung zu besuchen. Sie weiß es aus Erfahrung.

Nächstes Wochenende findet im Schloss Mariakirchen/Arnstorf (Niederbayern) der erste Bavarian Circle 2025 mit vier Modulen aus dem Werkzeugkasten Niederlassung statt. Als Werkzeugkasten-Referentin ist Dr. Sonja Hömig dabei. Sie kennt den Bavarian Circle auch als Teilnehmerin und Hospitantin und wird im Sommer ihre eigene Hausarztpraxis eröffnen. Wie es dazu kam und welche Rolle der Bavarian Circle dabei spielte, erzählt sie im Interview.

Ab wann war für Sie klar, dass Sie Allgemeinmedizinerin werden möchten?

Dr. Hömig: Eigentlich schon immer. Von klein auf – als ich noch nicht wusste, dass es unterschiedliche Fachrichtungen gibt – war in meiner Vorstellung ein Arzt automatisch ein Hausarzt. Im Studium haben mich meine Famulatur und Praktika in Hausarztpraxen bestärkt, diesen Weg zu gehen. Ich hatte tolle, engagierte Lehrärzte, die dazu sicher beigetragen haben. Mir gefällt an der Allgemeinmedizin die Vielfalt, sie deckt einfach alles ab.

Sie eröffnen noch dieses Jahr Ihre eigene Praxis. Wie kam es dazu?

Dr. Hömig: Für mich stand von vornherein fest, dass ich einmal meine eigene Praxis haben will. Aber dann kam die Familiengründung dazwischen, und mit kleinen Kindern wäre der Start in die Selbstständigkeit eine zu große Belastung gewesen. Deshalb habe ich nach der Weiterbildung erst einmal als angestellte Hausärztin zunächst in Teilzeit gearbeitet. Jetzt sind meine Kinder älter, und damit wachsen auch die Freiräume. Zufällig bin ich auf die Kampagne der Nachbargemeinde Hohenkammer aufmerksam geworden, mit der eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für den imaginären mittelalterlichen „Doktor Caius“ in der Neuzeit gesucht wurde. Da habe ich zugeschlagen. Im Juli werde ich meine Praxis nach über einem Jahr Vorbereitungszeit endlich eröffnen.

Es gibt die Praxis also noch nicht?

Dr. Hömig: Nein, es wird eine Neugründung als Einzelpraxis. Die Gemeinde hat sein 15 Jahren keine feste Hausarztpraxis mehr am Ort und will das ändern. Sie unterstützt die Praxisgründung deshalb auch und stellt beispielsweise ein Gebäude im Ortszentrum zu einem fairen Mietpreis zur Verfügung. Es wird gerade nach meinen Wünschen saniert und umgebaut. Durch die mediale Aufmerksamkeit der „Dr. Caius“-Kampagne haben sich auch schon frühzeitig MFA beworben, sodass ich mein Praxisteam schon mehr als ein halbes Jahr vor dem Praxisstart zusammen hatte. Aber auch der Bavarian Circle ist nicht ganz unschuldig daran, dass ich diesen Schritt jetzt wage.

Inwiefern?

Dr. Hömig: Ich habe an einigen Modulen des Werkzeugkasten Niederlassung und an einem Bavarian Circle teilgenommen, auch um zu hospitieren. Das war so eine tolle Stimmung in den Veranstaltungen. Im Austausch mit den anderen Teilnehmenden und Referierenden wurde mir klar, welche Gestaltungsmöglichkeiten man in der eigenen Praxis hat und dass die Selbstständigkeit als Hausärztin machbar und möglich ist. 

Ich mag meinen aktuellen Arbeitsplatz, komme gut mit meinen Chefs aus und hätte mit dem Schritt in die Selbstständigkeit vermutlich auch noch gewartet . Doch der Wunsch, selbst zu gestalten, war geweckt, und das Angebot der Gemeinde Hohenkammer bietet jetzt die perfekte Möglichkeit dazu. Außerdem fühle ich mich durch die Erfahrungen als angestellte Ärztin in verschiedenen Praxen und die Teilnahme an den Werkzeugkasten-Modulen für die Praxisgründung gut gerüstet.

Sie engagieren sich schon vor dem Start in die eigene Praxis als Referentin des Werkzeugkasten Niederlassung.

Dr. Hömig: Ja, damit falle ich ein wenig aus der Reihe. In der Regel sind die Referentinnen und Referenten bereits in eigener Praxis niedergelassen, wobei die Niederlassung nicht mehr als fünf Jahre zurückliegen sollte, um diesen Schritt und alle damit verbundenen Herausforderungen noch präsent zu haben. Aber ich habe mich bislang hauptsächlich auf Themen konzentriert, die auch für angestellte Ärztinnen und Ärzte interessant sind und bei denen ich eigene Erfahrungen sammeln konnte. Und es ist sinnvoll, bei Themen wie Abrechnung, Sozialrecht oder HZV, die in den Bundesländern bzw. KV-Bezirken in Teilen unterschiedlich geregelt sind, Referierende zu haben, die aus der bayerischen Praxis berichten können.

Die Eröffnung Ihrer Praxis steht jetzt kurz bevor. Wie fühlen Sie sich bei dem Gedanken, bald selbst Praxis-Chefin zu sein?

Dr. Hömig: Positiv aufgeregt, aber gut vorbereitet. Die IT steht, die Geräte sind bestellt, die Möbel sind ebenfalls in der letzten Planung, und das Team steht mit mir in den Startlöchern. Aktuell arbeite ich an der Praxis-Homepage, und es müssen noch eine Menge Kleinigkeiten besorgt werden von Stiften über Dekoration bis hin zum Schuhlöffel. Aber ich freue mich sehr auf den Start in die eigene Niederlassung.

Und wir wünschen viel Erfolg!