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Carolin Pfann: Von der Hausarzt- Famulatur zur Landärztin

verfasst am 05. Dezember 2024
Das Förderprogramm der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband funktioniert. Das bestätigt das Interview mit der Exstipendiatin Carolin Pfann, in dem sie über ihren Werdegang berichtet.

Seit zehn Jahren engagiert sich die Stiftung Bayerischer Hausärzteverband für den hausärztlichen Nachwuchs. Ein Schwerpunkt sind Stipendienprogramme, damit Studierende praktische Erfahrungen in einer Hausarztpraxis sammeln können. So hat der Bayerische Hausärzteverband 2015 gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse in Bayern ein Förderprogramm gestartet, um Medizinstudierenden eine Famulatur in einer Landarztpraxis zu ermöglichen. Wie erfolgreich diese Initiative ist, zeigt beispielhaft die Lebensgeschichte von Carolin Pfann, die über das Stipendienprogramm in einer Landarztpraxis famulierte und jetzt – ebenfalls auf dem Land – ihre Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin absolviert.

Frau Pfann, wie war denn Ihr Werdegang?

Ich komme ursprünglich aus Fürth. Mit meinem Mann und unserer Tochter lebe ich jetzt in Langenzenn in Mittelfranken. Nach meinem Abitur habe ich zunächst eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin absolviert und auf einer Intensivstation gearbeitet. 2012 habe ich dann angefangen, an der FAU in Erlangen Humanmedizin zu studieren

Sie wurden für Ihre Famulatur von der Stiftung Bayerischer Hausärzteverband und der Techniker Krankenkasse unterstützt. Inwiefern hat Ihnen die Famulaturförderung geholfen?

Ich habe damals meine hausärztliche Famulatur bei Dr. Marc Metzmacher in Gunzenhausen absolviert, das über 80 Kilometer von Erlangen entfernt ist. Ich musste während meines Studiums nebenbei weiter als Krankenschwester arbeiten und hätte es mir nicht leisten können, für die Famulatur einen Monat weg zu sein. Insofern hat mir die Förderung sehr geholfen, dass ich diese Erfahrung bei Dr. Metzmacher machen konnte.

Was kann man Ihrer Meinung nach ausschließlich während einer Famulatur auf dem Land lernen?

Das Patientenspektrum ist auf dem Land viel breiter, was die Tätigkeit als Ärztin für mich auch interessanter und erfüllender macht. Die Patienten, die ich bei Dr. Metzmacher gesehen habe, waren kleine Babys bis hundertjährige Senioren. Der Anlass ging von der einfachen Erkältung über Vorsorgeuntersuchungen bis zur kleinen Chirurgie oder der Versorgung von chronisch kranken Menschen. Diese Breite hat man in einer Stadt mit zahlreichen Fachärzten und Kliniken nicht.
 

Was zeichnet die Arbeit eines Hausarztes auf dem Land aus?

Auf dem Land ist der Hausarzt für die Patienten der erste Ansprechpartner für alle Gesundheitsthemen. Das erlebe ich auch hier in der Praxis in Langenzenn, in der ich derzeit meine Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin absolviere. Hinzu kommt, dass wir die Patienten oft über Jahre oder Jahrzehnte versorgen und deren familiäres Umfeld kennen. Diese besondere Bindung zum Patienten hat man nur als Hausärztin beziehungsweise als Hausarzt.

Welches Erlebnis oder Ereignis während ihrer Famulatur oder der bisherigen Hausarzttätigkeit war für Sie besonders prägend?

Die Famulatur bei Dr. Metzmacher war mein erster Kontakt mit der Allgemeinmedizin. Bis dahin wollte ich eigentlich, bedingt durch meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und meine Tätigkeit auf einer Intensivstation, in die Anästhesie gehen oder als Notärztin arbeiten. Es gab dann nicht ein einzelnes Ereignis, was mich umgestimmt hat, sondern es war die Landarzt-Tätigkeit als Ganzes. Es ist sehr erfüllend, Patienten aller Altersgruppen über einen längeren Zeitraum zu versorgen. Und in einer Landarztpraxis ist immer etwas los. Es wird einem unter Garantie nie langweilig. Jeder Patient ist anders. Diese Herausforderung nehme ich gerne an. Mein PJ habe ich dann ebenfalls bei Dr. Metzmacher absolviert.

Aus welchen persönlichen Gründen haben Sie sich für die Arbeit als Hausärztin auf dem Land entschieden?

Neben den bereits genannten Gründen ist das Arbeitsklima in einer Landarztpraxis viel angenehmer und familienfreundlicher als in einer Klinik mit unzähligen Nacht- und Feiertagsdiensten. Klinik und Familie unter einen Hut zu bringen, ist dort kaum machbar. Selbst wenn man nur Teilzeit arbeitet, ist man in der Klinik mit Überstunden wieder bei hundert Prozent, was ich bei Kolleginnen häufig erlebt habe. Natürlich gibt es auch in einer Landarztpraxis Herausforderungen, wie die überbordende Bürokratie, Regresse, Honorarstreichungen, die Anspruchshaltung einiger Patienten und der sich leider in der Bevölkerung  verschärfende Ton.

Wie geht es bei Ihnen weiter?

Das Schöne an der Allgemeinmedizin ist auch, dass man je nach Lebenslage entscheiden kann, ob man angestellt, in Teilzeit oder selbstständig arbeiten möchte. Bis meine Tochter größer ist, ist es für mich ideal, in einer Hausarztpraxis angestellt zu sein. Aber ich würde zumindest nicht ausschließen, dass ich mich danach mit einer eigenen Praxis niederlasse. Hierfür müssten sich die Rahmenbedingungen aber grundlegend ändern, sonst sehe ich (wie auch viele Kommilitoninnen und Kommilitonen) aktuell nicht die Möglichkeit einer eigenen Praxis. Schauen wir mal.

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In den zehn Jahren ihres Bestehens hat die Stiftung Bayerischer Hausärzteverband verschiedene Projekte aufgelegt, um Medizinstudierende und junge Ärztinnen und Ärzte für die Allgemeinmedizin zu begeistern. Schon durch eine kleine Spende können Sie uns bei dieser wichtigen Aufgabe zur Sicherung des ärztlichen Nachwuchses unterstützen.